Info vom FRSH / Presseerklärung von Pro Asyl vom 20.5.26:

Afghanistan: BAMF-Entscheidungspraxis und Realität klaffen weit auseinander

Mit dem heute veröffentlichten Policy Paper Afghanistan zeigt PRO ASYL, wie das Bundesamt fürMigration und Flüchtlinge in seiner Entscheidungspraxis zunehmend die bittere Realität inAfghanistan verkennt – und warum es einen sofortigen Abschiebestopp in das Land braucht.

In Afghanistan bauen die Taliban ihre Herrschaft aus Rechtlosigkeit, Willkür und Brutalität immer weiter aus – zugleich steckt das Land in einer tiefen humanitären Krise. Dennoch erteilt das Bundesamt fürMigration und Flüchtlinge (BAMF) alleinstehenden Männern immer seltener Schutz, die deutscheBundesregierung setzt Aufnahmeprogramme aus, verhindert Familiennachzug und forciertAbschiebungen in das Land.

„Nicht die Menschenrechtslage in Afghanistan hat sich geändert, sondern Deutschlands Bewertung undHaltung haben sich verändert. Die sinkenden Schutzquoten bei alleinstehenden afghanischen Männern sind realitätsfern und skandalös. Besonders bitter ist: Für einen Abschiebedeal normalisiert Deutschlandein international geächtetes Regime, das Frauen völlig entrechtet und Oppositionelle systematischverfolgt. Das ist menschenrechtlich verheerend und außenpolitisch töricht“, beklagt Helen Rezene,Geschäftsführerin von PRO ASYL.

„Die Bundesregierung muss die Lage neu bewerten. Schutzentscheidungen dürfen die aktuelle menschenrechtliche und dramatische humanitäre Entwicklung in Afghanistan nicht länger beschönigenund relativieren“, so Rezene.

Policy Paper Afghanistan zeigt problematische Asylentscheidungspraxis

Für das Policy Paper “Desolate Menschenrechtslage in Afghanistan – sinkende Schutzquote in Deutschland” hat PRO ASYL rund 50 negative Asylbescheide aus den Jahren 2024 bis 2026 analysiert.Dabei wird deutlich: Das BAMF verkennt die Willkür der Taliban, unterstellt ihnen ein rationales undkalkulierbares Verfolgungshandeln und prüft kaum das Risiko von Folter oder erniedrigenderBehandlung. Auch erteilt das BAMF trotz der desolaten humanitären Lage in dem Land zumeist keinAbschiebungsverbot mehr.

So ist die bereinigte Schutzquote für junge alleinstehende Afghanen stark eingebrochen – im Januar 2026 lag sie bei gerade mal 16,2 Prozent, im Januar 2025 noch bei 66,6 Prozent. Dass die bereinigteGesamtschutzquote afghanischer Asylsuchender in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 mit 89,4Prozent trotzdem recht hoch ist, liegt daran, dass aufgrund eines Urteils des Gerichtshofs der Europäischen Union Frauen und ihre Angehörigen derzeit grundsätzlich Schutz erhalten.

PRO ASYL fordert eine 180-Grad-Wende in der Afghanistan-Politik

·       Es braucht einen sofortigen bundesweiten Abschiebestopp nach Afghanistan.
·       Aufnahmeversprechen müssen eingehalten und Aufnahmeprogramme fortgeführt werden.
·       Das Recht auf Familiennachzug muss zeitnah einlösbar sein, Hürden im Verfahren und langeWartezeiten müssen abgeschafft werden.
·       Die Taliban müssen als Verfolger ernst genommen und jegliche Kooperation mit ihnen eingestelltwerden.
·       Geflüchteten darf nicht zugemutet werden, mit den Taliban-Behörden, zum Beispiel zurPassbeschaffung, kooperieren zu müssen.
·       Menschen mit Duldungsstatus brauchen ein effektives Bleiberecht, das auch eine Arbeitserlaubnis beinhaltet.